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Zu dritt unterwegs – Reiten mit Handpferd leicht gemacht

Vielleicht hast du meine Story auf Instagram oder Facebook letzte Woche verfolgt?

Dann hast du auf jeden Fall schon gesehen, dass ich gerade mit meinem Team dabei bin, einen neuen Videokurs für dich zu drehen ?

Bis es da Neuigkeiten gibt, dauert es zwar noch etwas, aber da das Interesse so groß war, wollte ich ein kleines Thema vorweg nehmen.

Also: Wo sind die Pferdebesitzer, die mehr als ein Pferd haben?

Oft fehlt uns im Alltag ja die Zeit, alles an Training doppelt und dreifach zu machen – und 2x groß und entspannt Ausreiten oder ins Dressurtraining zu gehen.

Aber wer sagt eigentlich, dass man das nicht auch mit 2 (oder mehr) Pferden machen kann?

Wie immer zahlt sich auch hier eine gute Basis aus. Mir ist es deshalb wichtig, dass beide Pferde gut in der Freiheitsdressur ausgebildet sind und das Fundament wie z.B. die Führübungen wirklich gut sitzen.

Denn wenn du selbst nicht mehr am Boden bist sondern auf einem Pferd sitzt, ist es umso wichtiger, dass dein Handpferd seine Position neben dir hält – und dich nicht nach vorne oder hinten vom Pferd zieht.

Im letzten Blogbeitrag habe ich euch die Führübungen ja auch nochmal beim Aufwärmen ans Herz gelegt.

Denn die Basis kann nicht oft genug wiederholt und gefestigt werden!

Die „Comfort Position“ zwischen Ganasche und Schulter, die dein Pferd dabei an deiner Seite selbstständig hält, ist jedenfalls auch 1 zu 1 ins Handpferdereiten übertragbar.

Für dein Handpferd sollte sich daran nämlich absolut nichts ändern – auch wenn du jetzt auf einem anderen Pferd sitzt.

Übe zur Vorbereitung deshalb vor allem noch  einmal mit deinem Handpferd in Spe Tempowechsel – sowohl im Schritt als auch im Trab.

Ganz egal, ob du nun schnell oder langsam läufst: Dein Pferd sollte von sich aus die „Comfort Position“ suchen und halten. Erst dann kannst du einen Schritt weitergehen und nicht mehr selbst laufen, sondern ein Pferd reiten ?

Für das Pferd, das du nun später reitest, gilt vor allem: Es sollte durchlässig und sicher geritten sein.

Am besten lässt es sich auch noch möglichst zügelunabhängig reiten. Denn dadurch, dass du in einer Hand später das Seil für das Handpferd hast, kannst du deutlich schlechter mit zwei Zügeln auf dein Reitpferd einwirken.

Am einfachsten hast du es, wenn du deinem Pferd im Vorfeld sogar beibringst, sich einhändig reiten zu lassen, denn dann kannst du völlig unabhängig voneinander auf beide Pferd gleichzeitig einwirken.

Dein Reitpferd sollte es dir jedenfalls auch nicht übel nehmen, wenn du mit deiner Aufmerksamkeit nicht 100%ig bei ihm bist – und diese Momente vor allem nicht ausnutzen!

Erfahrungsgemäß wirst du mit deiner Konzentration zu Beginn nämlich eher bei deinem Handpferd sein und es daran erinnern, dass es auch als Handpferd seine Position neben dir halten soll – ganz egal in welchem Tempo und das ohne zu drängeln oder sich hinterher ziehen zu lassen. 

Am einfachsten hast du es dann natürlich, wenn sich auch beide Pferde schon kennen und grundsätzlich mögen.

Doch die Sympathie ist für etwaige Kabbeleien am Ende gar nicht ausschlaggebend – sondern eher deine Ausstrahlung als „Leittier“.

Das bedeutet, dass beiden Pferden klar sein sollte, dass sie etwaige Rangordnungsstreitigkeiten außerhalb des Trainings klären können, jedoch nicht wenn du dabei bist.

Sollten sich deine Pferde gar nicht leiden können, gestaltet sich das natürlich etwas schwierig, vor allem wenn du das rangniedrige Pferd reiten und das Ranghohe als Handpferd mitnehmen möchtest.

Hör hier unbedingt auf dein Bauchgefühl und investiere genügend Zeit in die Vorbereitung!

Denn wie immer gilt auch hier: Vorsicht ist besser als Nachsicht!

Ist beiden Pferden jedoch bewusst, dass im Training vor allem du die Ideen zur Gestaltung eurer gemeinsamen Zeit einbringst und Kabbeleien mit anderen Pferden nicht erwünscht sind, funktioniert das Reiten mit Handpferd theoretisch sogar mit zwei sich fremden Pferden – vorausgesetzt sie sind beide gut erzogen.

Mit Fideo ist das Reiten mit einem fremden Handpferd beispielsweise gar kein Problem, obwohl er ein Hengst ist.

Allerdings es ist dabei umso wichtiger, dass das Handpferd keine Rangordnungsspiele startet, sondern genauso konzentriert bei der Sache ist wie dein Reitpferd.

Ich lasse die beiden Pferde übrigens durchaus kurz Nasenkontakt aufnehmen, allerdings halte ich das eher kurz und gehe dann recht schnell zum Training über.

Viele gefährliche Situationen sind so nämlich wirklich vermeidbar, weil die Pferde sich gedanklich dann schneller nicht mehr mit dem potentiellen Rivalen sondern mit der zu lösenden Aufgabe im Training beschäftigen.

Gehe hier aber bitte trotzdem keine Risiken ein!

Möchtest du nun ins Training starten, ist es empfehlenswert, dass du das Handpferd rechts von dir hast – zumindest, wenn du nach meiner Methode in der Freiheitsdressur arbeitest.

Meine Pferde sind auf der linken Hand nämlich die „Führposition“ gewöhnt, die wir auch bei der Führübung verstärkt von links trainieren.

Das Pferd ist es also gewohnt, mich eher von links wahrzunehmen, da ich auf der rechten Hand in die Longierposition wechsle und damit frontaler zum Pferd stehe und nicht mehr in der „Führposition“, die meiner Position während des Reitens mit Handpferd sehr ähnlich ist.

Grundsätzlich kannst du dein Handpferd natürlich auch links von dir mitnehmen – dafür solltest du dann aber auch das Training am Boden entsprechend umgekehrt aufbauen.

Ich starte also mit dem Handpferd auf meiner rechten Seite auf der linken Hand, d.h. ich führe das Handpferd außen mit.

Das fällt den meisten Pferden zu Beginn leichter, da sie in dieser Wendung nicht von meinem Reitpferd „bedrängt“ werden und langsam machen müssen.

Sie müssen auf der linken Hand vielmehr zügiger laufen als mein Reitpferd, da sie „mehr Weg“ haben.

Das ist zu Beginn perfekt um meinem Reitpferd beizubringen sich nicht an der Geschwindigkeit des Handpferds zu orientieren, sondern weiterhin zuverlässig auf meine Signale zu achten. Das Handpferd lernt dabei, die Comfort Position wie am Boden zuverlässig zu halten, auch wenn das bedeutet, zwischendurch anzutraben – ohne zu überholen! 

Ich empfehle dabei unbedingt, dass du eine Gerte mitnimmst.

Denn mit der Gerte als verlängertem Arm ist es leichter, dein Pferd nach vorne zu bremsen, falls es anfängt zu drängeln, aber auch es nach vorne zu treiben, wenn es eher dazu neigt sich hinterher ziehen zu lassen.

Mit den Zügeln des Reitpferds, dem Seil vom Handpferd und der Gerte hast du damit zwar ziemlich viel in der Hand, doch wenn dir das Handling gelingt und deine Vorbereitung gut war, erzielst du damit am schnellsten gute Erfolge!

Ich übe nun – zuerst nur auf der linken Hand – das Anhalten, Anreiten und wieder Anhalten mit beiden Pferden, bis sie gut und flüssig nebeneinander laufen und wirklich auf deine Signale achten.

Erst dann baue ich Handwechsel auf die rechte Hand ein, bei denen das Reitpferd schneller laufen muss als das Handpferd, um die „Comfort Position“ für beide zu halten. Das fällt vielen Pferden recht schwer.

Achte deshalb darauf, dass das Seil deines Handpferds kurz genug ist, um es auch am Seil mit kleinen Impulsen etwas zu bremsen.

Als optisches Signal kannst du außerdem natürlich die Gerte zur Hilfe nehmen.

Dein Pferd hat die Gerte vorne oben ja bereits am Boden als Signal zum Verlangsamen bzw. Anhalten kennengelernt und sollte darauf deshalb auch vom Pferd aus gut reagieren. 

Beobachte dich auch selbst dabei, ob du es schaffst die am Boden erlernten Signale möglichst ähnlich in den Sattel zu übertragen.

Am einfachsten ist es natürlich, wenn dein Pferd schon gut auf deine Stimmkommandos hört und gar nicht mehr viel „optische Signale“ braucht, um richtig zu regieren.

Die Herausforderung dabei liegt nun nur darin, dass sich nicht beide Pferd gleichzeitig angesprochen fühlen, sondern unterscheiden können, wem das aktuelle Signal gerade gilt.

Ich setze dazu den Pferdenamen vor das jeweilige Signal – das verstehen die meisten Pferde recht schnell.

Sieh es deinem Reitpferd trotzdem zu Beginn etwas nach, wenn es mit den vielen unterschiedlichen und dann und wann widersprüchlichen Signalen sowie deiner geteilten Aufmerksamkeit zu kämpfen hat.

Das braucht wie alles andere natürlich auch erst etwas Routine ? Doch du kannst diese Art zwei Pferde bewegen unheimlich gut ausbauen! 

Im Video erkläre ich dir nocheinmal, was du tun kannst, wenn dein Pferdn die Führposition als Handpferd nicht einhält. 

 

Ich wünsche dir deshalb ganz viel Spaß beim Ausprobieren – und viel Freude mit zwei Pferden.

Den meisten Pferden macht es übrigens super viel Spaß in der Gruppe gemeinsam zu trainieren – vielleicht gehört das Handpferdereiten deshalb ja auch bald zu deinem Alltag?

Oder der Trend zum Zweitpferd beginnt bald erst?

Man kann ja eigentlich nie genug Pferde haben, oder? ?

Alles Liebe,

Deine Kenzie

"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG