Oldie but Goldie – was wir unseren Pferden schulden, wenn sie älter werden
Gestern, am 28. Januar 2026, habe ich euch eine Frage gestellt. Keine fachliche. Keine trainingsbezogene.
Sondern eine, die mit Erinnerungen zu tun hatte.
Mit diesen Ostwind-Momenten, die man nicht vergisst. Mit roher Energie. Mit einem Pferd, das sich mitten in der Stadt aufbäumt – und mit einem Gefühl von Freiheit, das viele von uns damals noch gar nicht benennen konnten.
Viele von euch haben ihn erkannt. Und viele haben mir geschrieben.
Ja – es ist Atila.
Der Ostwind, der Generationen geprägt hat. Und der heute ein ganz anderes Leben führt.
Atila ist inzwischen ein Senior.
Er lebt bei uns auf der Hacienda in Andalusien, verbringt viel Zeit auf der Weide, wird angepasst bewegt – nicht mehr für Leistung, sondern für Lebensqualität. Und genau hier beginnt ein Thema, über das wir viel zu selten sprechen:
Was schulden wir unseren Pferden, wenn sie älter werden?
Partnerschaft endet nicht mit der letzten Lektion
Wir sprechen viel über Training. Über Motivation, Dominanz, Kommunikation, feine Hilfen. Über all die Dinge, die uns helfen sollen, bessere Reiter:innen und feinere Partner zu werden.
Doch echte Partnerschaft zeigt sich nicht dann, wenn alles leichtfällt. Sie zeigt sich dann, wenn sich etwas verändert.
Wenn ein Pferd langsamer wird. Wenn es mehr Pausen braucht. Wenn der Körper nicht mehr alles selbstverständlich mitmacht.
Respekt vor dem Pferd bedeutet nicht, immer weiterzumachen wie bisher. Respekt bedeutet, sich anzupassen.
Sinnvolle Beschäftigung statt Stillstand
Ein älteres Pferd braucht nicht automatisch weniger Aufgabe – sondern eine andere. Angepasste Bewegung gibt Struktur, hält beweglich und sorgt für mentale Stabilität.
Die Frage ist also nicht, ob wir unsere Seniorpferde noch beschäftigen dürfen. Sondern wie.
Bewegung braucht Vorbereitung
Mit dem Alter verändern sich Muskeln, Sehnen, Gelenke – und auch der Stoffwechsel. Der Körper braucht länger, um in Gang zu kommen.
Deshalb wird das Aufwärmen zur wichtigsten Phase jeder Einheit: Schritt, große Linien, ruhige Übergänge. Zeit, um anzukommen.
Wer hier spart, zahlt später. Nicht sofort – aber zuverlässig.
Freiarbeit für Oldies: Klarheit statt Tempo
Freiarbeit ist auch mit älteren Pferden möglich. Aber sie braucht ein anderes Mindset.
Enge Wendungen, kleine Zirkel oder stark dynamische Richtungswechsel belasten unnötig. Große Linien, Mitgehen und Übersicht entlasten Körper und Geist.
Auch Abgrenzen sollte bewusst eingesetzt werden – nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung. Mein Ziel mit Seniorpferden ist klar: Situationen so gestalten, dass Druck gar nicht erst nötig wird.
Konsequenz darf bleiben. Sie wird nur leiser.
Muskulatur kennt kein Alter – aber sie braucht Unterstützung
Auch ältere Pferde können Muskulatur aufbauen. Es dauert länger, braucht Geduld und saubere Arbeit – ist aber möglich.
Große Bögen, Übergänge, Stangen oder gezielte Hilfsmittel können dabei unterstützen. Entscheidend ist nicht die Intensität, sondern die Regelmäßigkeit.
Und genau hier schließt sich der Kreis.
Denn Bewegung allein reicht nicht, wenn der Körper nicht mehr optimal versorgt wird.
Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur das Training – sondern auch der Stoffwechsel.
Bei Atila gab es vor einiger Zeit leichte Anzeichen von Hufrehe. Nichts Dramatisches – aber genug, um sehr aufmerksam zu werden.
Gerade bei älteren Pferden verändert sich der Stoffwechsel oft schleichend. Was früher problemlos funktioniert hat, braucht plötzlich mehr Feingefühl. Bewegung, Regeneration und Fütterung greifen enger ineinander.
Ich habe mich deshalb intensiv mit seiner Ration beschäftigt und mich bewusst für eine angepasste Lösung entschieden:
Atila bekommt seit einigen Wochen eine Kombination aus dem Seniorfutter von Josera Pferd und dem Senior Balancer als Mineralfutter.
Beides ist getreide-, luzerne-, soja- und melassefrei und darauf ausgelegt, den Stoffwechsel, die Leberfunktion und die allgemeine Vitalität älterer Pferde zu unterstützen – genau das, was Atila in dieser Lebensphase braucht.
Und ich merke den Unterschied.
Nicht spektakulär.
Aber spürbar.
Vielleicht steht auch an eurer Seite ein Pferd, dem ihr heute etwas zurückgeben möchtet.
Zeit. Aufmerksamkeit. Oder einfach ein bisschen mehr Verständnis.
Dann lohnt es sich, zuzuhören.
Alles Liebe
deine Kenzie
