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Wie dein Körpergefühl für eine bessere Kommunikation mit deinem Pferd sorgt

Im letzten Blogbeitrag Anfang November haben wir ja vor allem die Körpersprache deines Pferdes näher unter die Lupe genommen.

Das wollen wir heute mit deinem Körper machen.

Denn oft sind wir uns gar nicht bewusst, wie stark unser Körper für uns kommuniziert – und wundern uns, dass unser Pferd nicht wirklich tut, was wir uns von ihm wünschen…

Nonverbale Kommunikation

Wir Menschen kommunizieren im Gegensatz zu unseren Pferden vor allem über unsere Sprache. Wir reden, telefonieren, verschicken Sprach- und Textnachrichten – der Fokus liegt also auf dem gesprochenen Wort. Oder?

Tatsächlich macht der Inhalt unserer Botschaft einen verschwindend geringen Bruchteil unserer Kommunikation aus. Denn wir nehmen das WAS gesagt wird, viel weniger stark wahr als WIE es gesagt wird.

Die Stimme, unser Tonfall und unsere Körpersprache spielen eine viel größere Rolle als das, was wir tatsächlich bewusst kommunizieren.

Denn in der Regel läuft all das recht unbewusst ab – nur Schaupieler sind gezielt darauf trainiert worden, sich all der feinen Nuancen in ihrer Mimik, Gestik und Körper bewusst zu werden um die gezielt und authentisch einsetzen zu können.

Unser Pferd als Kommunikations-Coach

Da unsere Pferde aber von Natur aus nicht mit ihrer Stimme kommunizieren, sondern mit möglichst feinen Signalen ihres Körpers innerhalb der Herde agieren (das spart Energie, die womöglich für eine spontane Flucht vor einem Raubtier gebraucht wird!) sind sie Meister darin, zwischen den Zeilen zu lesen!

Sie sind für uns also echte Lehrer – denn wir können ihnen einfach nichts verheimlichen.

Dein Pferd wird immer wissen, ob du gut oder schlecht gelaunt bist. Es weiß auch, ob du mit deiner Konzentration voll und ganz bei ihm bist oder tatsächlich gedanklich noch ganz woanders. Und je nachdem, wie es charakterlich gestrickt ist, wird es darauf reagieren.

Da wir uns oft aber gar nicht darüber im Klaren sind, was unser Fuß macht, wenn wir uns auf unsere Hand konzentrieren, kommt es oft zu Missverständnissen. Wir glauben nämlich, wir sagen unserem Pferd ganz klar, was es tun soll – dabei senden wir dem Pferd widersprüchliche Signale, die es dann für sich frei nach seinen bisherigen Erfahrungen interpretiert.

Wenn du mit deinem Pferd am Boden arbeitest, gilt es bei Missverständnissen also zuallererst zu hinterfragen, ob du deinem Pferd auch die richtigen Signale sendest.

Das beginnt oft schon, wenn du dein Pferd beim Longieren von dir weg schicken möchtest.

Immer wieder sehe ich Menschen, die quasi vor ihrem Pferd weglaufen um Abstand zwischen sich und das Pferd zu bringen – doch das Pferd folgt ihnen einfach.

Von außen sieht es dann eher so aus, als würde das Pferd den Menschen longieren – und beide sehen meistens leider eher unglücklich aus. Dabei folgt das Pferd nur der „Einladung“ des Menschens, der vor ihm rückwärts geht.

Was kann helfen?

Bei Pferden bestimmt oft die Frage „Wer bewegt wen?“ den Alltag.

Und um dein Pferd zu longieren muss die Antwort lauten: Du bewegst dein Pferd. Um Distanz zwischen euch zu bringen, sollte also dein Pferd auf Abstand gehen und nicht du.

Bleib einfach ruhig stehen und stelle dir eine Blase um dich herum vor – deine ganz persönliche Zone in die dein Pferd nicht einfach herein kommen darf. Dann richtest du dich auf, machst dich groß und nimmst mit deiner Ausstrahlung deinen Raum auch wirklich für dich ein.

Dann heißt es auf deine Schultern achten. Versperrst du deinem Pferd damit optisch vielleicht den Weg?

Manche Pferde sind sogar so fein, dass sie sogar auf deine Blickrichtung reagieren – denn in der Regel läuft man dorthin, wo man gerade hinschaut. Und diesen Weg hält dir ein respektvolles oder ängstliches Pferd vielleicht frei.

Hier erkläre ich dir übrigens nochmal im Detail, was du tun musst, um dein Pferd korrekt zu longieren.

Doch das wäre ja zu einfach ???? Viele Pferde lernen mit der Zeit nämlich, deine Körpersprache zu ignorieren, weil sie keinen Sinn ergibt – das ist dann die klassische Konditionierung nur umgekehrt.

Viele Pferde haben im Lauf der Zeit nämlich die Erfahrung gemacht, dass der Mensch sich widersprüchlich verhält – und reagieren deshalb nicht mehr auf die Signale. Das macht es dann doppelt kompliziert!

Führe also (vielleicht sogar als Trockenübung ohne Pferd) eine Bestandsaufnahme durch:

  • Was tut mein Kopf in dieser Übung? Wo schaue ich hin? Der Blick auf die Hinterhand treibt er an, vor der Schulter oder am Kopf bremst er eher und auf der Mittelposition ist er eher neutral – hat das vielleicht schon Einfluss?
  • Wohin zeigen meine Schultern? Wenn ich die Linie meiner Schulter nach links und rechts verlängere – versperre ich meinem Pferd dann vielleicht den Weg auf den ich es eigentlich schicken will? Longierst du beispielsweise auf der rechten Hand, sollte deine vordere Schulter (also die rechte) immer ein Stück weiter zurück genommen werden als die hintere – denn damit gibst du deinem Pferd überhaupt erst den Raum nach vorne zu laufen.
  • Wohin zeigt meine Hüfte? Auch die spielt eine Rolle. Verdrehst du dich nämlich innerhalb deines Körpers, verlierst du deinen sicheren Stand und wirkst weniger souverän – Schultern und Hüfte sollten sich also einig sein ????
  • Was tun deine Beine und Füße? Wohin zeigen deine Fußspitzen? Auch das hat einen Einfluss darauf, ob dein Stand sicher und bestimmend wirkt oder entspannt, indem du z.B. ein Bein locker anwinkelst.

Und die wichtigste Frage: Wie reagiert dein Pferd, wenn du etwas an deiner Körperhaltung veränderst? Vor allem wenn es schon älter ist und mit einigen Menschen gearbeitet hat, hat es sich vielleicht etwas angewöhnt oder gelernt, was dir so bisher gar nicht bewusst war. Probiere also aus, wie sich das Verhalten deines Pferdes verändert.

Tut sich nichts, ist es an der Zeit, dein Pferd auf die Körpersprache wieder „einzutunen“ – denn das liegt in seiner Natur und macht die Zusammenarbeit mit dem Menschen nachvollziehbarer und logischer.

In meinem Video erkläre ich dir kurz, wie du klare Signale geben kannst – speziell am Problem, dass dein Pferd nicht anhält. Die Voraussetzung dafür ist aber immer, dass du dir der Signale, die du sendest, absolut sicher bist!

 

Denn nur wenn deine Signale immer klar und logisch sind (und dein Pferd sie vorher gelernt hat), kannst du sie auch fair und für dein Pferd nachvollziehbar durchsetzen.

Der wichtigste Gedanke dabei ist, dass du dein Pferd langfristiger feiner machen möchtest. Dazu musst du ihm aber IMMER die Chance geben, auf feine Signale zu reagieren – und die Intensität deiner Signale langsam zu steigern. Es gilt: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Und unter Berücksichtigung ALLER Signale, die dein Körper geben kann – vom großen Zeh bis in die Ohrspitzen ????

Ich wünsche dir ganz viel Spaß bei einer ersten Bestandsaufnahme – und bei der dauerhaften Überprüfung durch deinen neuen Kommunikations-Coach! Denn wir können vieles von dem, was wir mit unseren Pferden lernen, auch in unseren Alltag integrieren.

Wenn du vor einem dominanten Hengst deine Individualzone verteidigen kannst, wird dein Chef oder Kollege quasi ein Kinderspiel! ????

Und auch einem harmonischen Weihnachtsfest steht dann nichts mehr im Weg 😉

Denn wenn wir achtsam und bewusst mit unserer Kommunikation umgehen – ganz egal ob nonverbal oder auch verbal – desto mehr stellen wir uns im gleichen Moment auch auf den Dialog mit unserem Gegenüber ein.

Hör also genau hin, hör vor allem gut zu – dann wird es weniger Missverständnisse und stattdessen schnell mehr Freude geben 😉

In diesem Sinne wünsche ich dir ein wundervolles und besinnliches Weihnachtsfest! Lass dich reich mit der schönsten Sache dieser Welt beschenken: Zeit für deine Liebsten!

Alles Liebe,
Deine Kenzie

"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG