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Wie kannst Du Dein Kaltblut zur Freiarbeit motivieren

Heute geht es mal um die etwas „schwereren“ Pferde: Die beeindruckenden Kaltblüter! Sie sind echte Kaliber – und „so richtige“ Pferde.

Wenn man an Kaltblüter denkt, hat man im ersten Moment sofort zwei Bilder im Kopf:

Vom Holzrücken im Wald und vor die Kutsche gespannt.

An hohe Dressur und Zirkuslektionen denkt man im ersten Moment vielleicht eher selten. Aber bedeutet das, dass man mit einem Kaltblut keine Zirkuslektionen erarbeiten kann?

…natürlich nicht! Denn gerade ihr meist ruhiges und gelassenes Temperament zeichnet sie für Lektionen in die Tiefe aus. Man muss es nur schaffen, die Motivation dafür aus ihnen herauszukitzeln. Und darum wird es heute gehen 😉

Die sanften Riesen

Durch ihr eher gemütliches und besonnenes Gemüt sind Kaltblüter in der Regel etwas schwerer für energetische Lektionen zu motivieren.

Doch nichts ist unmöglich!

Denn das ein oder andere Kaltblut lässt sich durchaus auch im Bereich der hohen Dressur, bei Schulsprüngen über der Erde oder anderen rasanten Ritten bestaunen.

Doch woran liegt das?

Ich würde sagen, das ist alles eine Frage der Motivation. Außerdem bestätigen Ausnahmen natürlich die Regel 😉

Motivation

Die richtige Motivation sorgt nun dafür, dass so ziemlich alles möglich wird – das Verhalten (also auch der Energieaufwand) muss sich für das Pferd nur entsprechend lohnen. Und dazu muss sich das Lob, das das Pferd nach einer Aufgabe bekommt, sich vor allem auch für das Pferd wie eine Belohnung anfühlen.

Wo der feurige Araber sich freut nach einer Übung für die er höchste Konzentration und Versammlung gebraucht hat, sich also so richtig zurück nehmen musste, mal ordentlich Gas zu geben, wäre das für ein gemütliches Kaltblut in der Regel eher Strafe als Lob.

Eine ausgedehnte Pause oder ein Leckerli sind da meist viel willkommener.

Auch über ein Streicheln freut sich ein Pferd nicht zwingend – außer du weißt ganz genau, wo die Lieblingskraulstelle ist 😉

Aber selbst dann möchten beispielsweise Hengste oft während des Trainings lieber nicht ständig angefasst werden – schließlich sind sie gerade im „coolen Showmodus“ und wollen viel lieber zeigen, was sie können!

Lob ist also etwas sehr individuelles – und je besser sich das Lob für das Pferd anfühlt, desto mehr „leistet“ es auch dafür. Vorausgesetzt es hat verstanden, was es tun kann, um dieses Lob zu bekommen.

Deshalb ist es wichtig, jede Übung wirklich sehr kleinschrittig aufzubauen und jeden Impuls in die richtige Richtung zu belohnen.

Das muss übrigens nicht immer ein „Schritt“ sein.

Oft hilft es schon, wenn wir die erste Gewichtsverlagerung, quasi das Denken in die richtige Richtung, belohnen.

Das gibt dem Pferd ein gutes Gefühl und lässt es – auch ganz unabhängig von der Rasse – immer motivierter werden, weil sich die Suche nach der Lösung lohnt.

In kleinen Schritten zum Erfolg

Ganz egal ob Kaltblut oder nicht:

Ein „Energiesparmodell“ in Pferdeform wird niemals freudig motiviert sein, wenn du es von Anfang an 20 Runden auf einem engen Kreis im Galopp um dich herum zirkeln lassen möchtest.

Wenn du aber am Anfang vielleicht erst einmal gar keinen Galopp forderst, sondern den Schritt und Trab in kleinen Schritten immer weiter ausbaust, sieht die Welt ganz anders aus.

Wenn das Pferd dann körperlich gut dazu in der Lage ist, kannst du es irgendwann zu einem ersten Galoppsprung auffordern – und es nach einem Sprung sofort mit einer Pause loben!

Dann verlangst du zwei Galoppsprünge bevor es eine Pause bekommt.

Und so baust du den „Energieaufwand“, den dein Pferd vor der ersehnten Pause „leisten“ muss, mit der Zeit immer weiter aus.

Wenn du die Schritte dabei klein genug machst, wirst du jedes Pferd motiviert bekommen – weil es ja ganz genau weiß, dass es sich lohnt, sich anzustrengen.

Du wirst merken, dass mit der Zeit dann auch nicht nur die Pause dein Pferd lockt, sondern vor allem deine ehrliche Freude über eure Erfolge.

Pferde mögen es nämlich unglaublich gern, uns Menschen zu gefallen und sich so richtig „feiern“ zu lassen.

Das fühlt sich auch für Pferde gut an – und sie wollen immer mehr für uns „richtig“ machen.

Das Problem ist, dass wir oft zu viel zu schnell wollen und unser Training nicht langsam genug aufbauen. Gleichzeitig sitzt unser Timing oft nicht.

Belohnst du dein Pferd zum Beispiel mit einer Pause nachdem es schon selbstständig mit der Übung aufgehört hat, lernt es, dass sich auch das ausfallen oder „ausgehen“ lohnt. Du darfst hier also ruhig konsequent sein – aber auf gar keinen Fall zu viel von deinem Pferd verlangen! Das führt auf Dauer sonst nur zu Frust auf beiden Seiten.

Denk bitte auch daran, dass die Belastung auf einem Zirkel für die Gelenke eines Kaltbluts deutlich höher ist, als bei einem leichteren Pferd – einfach durch ihr Gewicht. Das gleiche gilt für Sprünge oder schnelle Wechsel. Verlange deshalb nicht zu viel! Und bereite den Körper des Pferdes mit entsprechend mehr Zeit auf seine Aufgaben vor.

Verwechsle die Größe eines Kaltbluts aber auf keinen Fall mit Härte. Kaltblüter müssen nicht unsensibel sein, wenn du ihnen die Chance dazu gibst.

Sei deshalb unbedingt genauso fein, wie mit allen anderen Pferden! Denk immer daran. So wenig wie möglich, so viel wie nötig!

Gedankenspiel: Du mit deinem Personal Trainer beim Lauftraining

Stell dir doch mal kurz vor, dass du nicht die Fitness deines Pferdes trainierst, sondern deine eigene. Vielleicht möchtest du ja sogar wirklich mit dem Joggen beginnen? 😉

Wenn du direkt damit startest, dass dich dein „Personal Trainer“ dabei 10km in flottem Tempo durch den Wald scheucht, kann die Absicht des Trainers oder die Landschaft noch so schön sein – du wirst (je nach Grundkondition) völlig fertig, verausgabt und frustriert (vielleicht auch den Tränen nahe?) nach Hause kommen.

Der Trainer hat nämlich deine Grenzen nicht respektiert, sondern dich viel zu viel angetrieben. Vielleicht hat er dich auch nur „mit Gewalt“ aus einem Sitzstreik holen können, weil du am Ende deiner Kräfte warst.

Wie viel Lust du auf den nächsten Besuch deines Personal Trainers hättest? Vermutlich würdest du deine Wohnung verbarrikadieren… Keine schöne Vorstellung, oder?

Pferde stecken als Lauftiere natürlich körperlich deutlich mehr weg, als wir Menschen, die wir viel zu viel Lebenszeit mit Sitzen verbringen.

Oft trauen wir ihnen sogar auch eher zu wenig zu – das hängt ganz von uns als Trainer und dem jeweiligen Pferd ab.

Doch frag dich mit diesem Bild im Kopf, was für ein Trainer du für dein Pferd sein möchtest.

Der Trainer aus dem ersten Beispiel?

Oder doch viel mehr ein Trainer, der dich als Person mit deinem ganz individuellen Päckchen ganz genau im Blick hat? Der dich unterstützt und motiviert an deine Grenzen zu gehen – auch wenns mal anstrengend wird! – aber niemals zu weit darüber hinaus?

Der dich damit motiviert, dass du nach einem letzten Sprint bis zu der Ecke da vorne, eine kleine Pause machen darfst? Der deine Strecke erst nach und nach verlängert, sodass du von Anfang andaran glauben kannst, dass du das, was von dir gefordert wird, schon schaffen kannst – schließlich hast du immer wieder ein Erfolgserlebnis?

Natürlich bleibt auch dabei der Muskelkater nicht aus. Aber du merkst relativ schnell, dass das Training deinem Körper gut tut. Du merkst wie du fitter wirst. Und plötzlich macht das Ganze sogar Spaß!

Du lernst, deinem Körper immer mehr zu vertrauen, hast Spaß daran deine Grenzen auszutesten – und zu verschieben! Und dein Trainer, der immer an deiner Seite ist, dir hilfreiche Tipps und Tricks zeigt, immer ein motivierendes und lobendes Wort auf den Lippen, ist aus deinem Leben jetzt kaum mehr wegzudenken!

Ist dieses Bild nicht viel schöner? Und hat dieses zweite Bild nicht viel mehr von einer gesunden Beziehung, als das erste Beispiel? Respekt & Vertrauen sind nämlich auch mit unseren Pferden keine Einbahnstraße. Das funktioniert nur gegenseitig.

Gleichzeitig solltest du aber darauf achten, dass dein Training nicht „zu langsam“ wird. Gestalte es abwechslungsreich und spannend! Sei selbst eben so motiviert, dass du dein Pferd damit ansteckst!

In diesem kurzen Video habe ich dir nochmal zusammengefasst, wie du mit den unterschiedlichen Pferdetypen trainieren kannst. Wie du dein Pferd aufwecken, aber auch beruhigen kannst. Auf das Fingerspitzengefühl kommt es an 😉

 

Freiarbeit – Spaß beim Training für JEDES Pferd!

Dein Pferd muss kein Kaltblut sein, um von diesem Bild zu profitieren. Jedes Pferd profitiert davon!

Vielleicht unterscheidet sich die Art des Lobs.

Vielleicht hast du mit deinem Pferd andere Ziele. Mir ist es aber wichtig, dass Freiarbeit JEDEM Pferd Freude macht – egal welches Alter, welche Rasse oder welches Gemüt es hat. Das gleiche gilt natürlich auch für Zirkuslektionen!

Wichtig ist nur, dass du als Trainer in dein Pferd hinein spürst, schaust, was es von dir braucht.

Welche (körperlichen und mentalen) Grenzen es hat – und dich langsam ran tastest.

Sei einfach der Personal Trainer für dein Pferd, den du dir auch für dich wünschen würdest!

Dann steht kleinen und auch großen Zielen nichts mehr im Weg! Du brauchst nur genügend Zeit, Geduld, gutes Timing und eine motivierende Trainingsumgebung – dann könnt ihr gemeinsam alles erreichen!

Ich wünsche dir ganz viel Freude mit deinem Pferd – und dir ganz viel Spaß dabei, deine Skills als Personal Coach weiter auszubauen und zu trainieren 😉

Und denk immer daran. Jedes Pferd hat seine Stärken und Schwächen – und das macht jedes auf seine ganz eigene Art ganz besonders!

Ein Kaltblut ist vielleicht nicht so wendig ist wie ein Lusitano, dafür aber vielleicht weniger reaktiv oder schreckhaft 😉

Nutze deshalb einfach die Stärken deines Pferdes!

Für ein Kaltblut bedeutet das, vielleicht eher ruhigere Übungen zu trainieren und den Fokus auf die Kopfarbeit zu legen, während der Lusitano in schnellen Wendungen glänzt, aber gerne auch „zu viel Action“ macht.

Das wichtigste ist, dass ihr immer wieder eure eigenen kleinen Erfolge feiern und zusammen Spaß haben könnt, ganz egal wie euer Training aussieht.

Denn das bestimmt vor allem dein Pferd! <3

Alles Liebe,

Deine Kenzie

"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG