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So läuft Dein Pferd „gesund“ auf einem Zirkel

Das Zirkeln nimmt einen großen Teil meiner alltäglichen Routine mit meinen Pferden sein.

Es ist sozusagen das „Grundelement“ in der Freiheitsdressur.

Der Kit, der alles zwischen den einzelnen Lektionen und „Spezialeffekten“ zusammenhält – und alles miteinander verbindet.

Und auch wenn das Zirkeln dabei immer ziemlich leicht aussieht – den Pferden verlangen die kleinen Kreise um uns herum ganz schön viel ab!

Ein Pferd ist von Natur aus nämlich erstmal nicht unbedingt dazu gemacht, um auf einer Kreislinie zu laufen. Schließlich geht es in freier Wildbahn vor allem geradeaus. Auf zu neuen Weidegründen. Auf zum nächsten Ufer.

Da wir hier aber selten endlose Weiten haben und die Arbeit auf einer Kreislinie auf den Körper des Pferdes viele positive Effekte haben kann (vor allem im Hinblick darauf, dass es uns gesund lange auf seinem Rücken tragen kann), verdient das Zirkeln besondere Aufmerksamkeit 😉

Gesund auf einem Zirkeln laufen

Ein Pferd bringt es also nicht von Natur aus mit, gesund erhaltend auf einer Kreislinie zu laufen. Da heißt es für uns nachhelfen.

Dem Pferd beibringen, wie es seinen Körper am besten einsetzt, um Gelenke, Sehnen und Bänder zu schonen – und direkt noch die Bauch- und Rückenmuskulatur für den nächsten Ritt zu trainieren.

Wenn du ein untrainiertes oder junges Pferd ganz entspannt am Halfter auf einem Zirkeln um dich herum laufen lässt, wird es sich im ersten Moment (vor allem in schnelleren Gangarten) erstmal so richtig in die Kurve lehnen. Es wird auf die innere Schulter fallen, vielleicht auch Tempo machen, um sein fehlendes Gleichgewicht auszugleichen. Es wird dich dabei fast an ein Motorrad erinnern, das sich in die Kurve lehnt.

Diese Art und Weise auf einer Kreislinie zu laufen ist aber leider alles andere als gesund.

Gelenke und Sehnen werden unnötig belastet – und die Muskulatur, die wir zum Reiten brauchen wird alles andere als trainiert.

Ein Pferd so zu Zirkeln oder zu Longieren ist höchstens „Bewegungstherapie“, aber kein gesunderhaltendes Training.

Ich versuche deshalb, Pferden grundsätzlich beizubringen, „richtig“ auf dem Zirkel zu laufen.

Das bedeutet, dass sie sich der Kreislinie entsprechend biegen und stellen und ihr Gewicht möglichst gleichmäßig auf alle vier Füße verteilen.

Dadurch, dass ein Pferd ca. 60% seines Gewichts auf der Vorhand hat und nur 40% auf der Hinterhand, ist dabei sogar schon eine leichte Bergauf-Tendenz erkennbar.

Das Pferd erinnert so dann auch nicht mehr an ein Motorrad, das sich mit Geschwindigkeit in die Kurve schmeißt, sondern eher an einen Zug, der gleichmäßig seiner Bahn folgt.

Anstrengende Kreise

Für ein Pferd ist es also gar nicht so einfach, auf einem Zirkel zu laufen. Es fällt ihnen sogar oft schwerer als wir annehmen!

Meine Onlinekurs-Teilnehmer fragen mich deshalb immer wieder, was sie tun können, wenn das Pferd nicht richtig auf dem Zirkel läuft, wenn es die „Aufmerksamkeit verliert“, lustlos wirkt oder sogar ausbricht.

Begeben wir uns dafür zuallerst mal auf die Suche nach der Ursache. Denn natürlich kann das Verhalten, das dein Pferd zeigt, unterschiedliche Gründe haben.

Körperliche Ursachen

Bevor ein Pferd einen kleinen Zirkel muskulär gut halten kann, muss es im Vorfeld entsprechend trainiert worden sein. So etwas funktioniert nicht über Nacht!

Du musst deinem Pferd einerseits beigebracht haben, gesunderhaltend auf dem Zirkel zu laufen, andererseits muss die Intensität des Trainings (Zirkelgröße und Dauer) erst langsam gesteigert werden.

Meine Pferde machen diese Art der „Arbeit“ schon seit Jahren. D.h. ihr Körper und die Muskulatur sind mittlerweile so gut trainiert, dass sie auch einen kleineren Zirkel um mich herum länger problemlos halten können.

Dafür solltest du zuerst auf einem größeren Zirkel mit dem Training anfangen und dein Pferd am Anfang vor allem auch nicht zu lange zirkeln lassen.

Baue immer wieder Pausen ein, wechsle zwischen einzelnen Übungen ab und steigere so nach und nach die Dauer, die du dein Pferd zirkeln lässt.

Mit der Zeit kannst du auch immer kleinere Zirkel dazu nehmen. Starte mit ein zwei Runden eng um dich herum und lasse dein Pferd dann wieder auf eine größere Kreislinie.

Dann fragst du es erneut nach einem engeren Zirkel und entlässt es nach kurzer Zeit wieder. Das trainiert die Kraft und Ausdauer, sodass dein Pferd sich nach und nach körperlich weiterentwickelt – bis es auch den kleinen Zirkel über eine längere Zeit gut halten kann.

Viele Pferde werden in diesem Punkt einfach zu schnell an ihre körperlichen Grenzen oder darüberhinaus gebracht – und verlieren deshalb die Motivation. Denn wenn ich etwas nicht leisten kann, aber leisten muss, schafft das keine schöne Trainingsatmosphäre.

Denke aber daran, dass man gleichzeitig auch schon an Grenzen heran gehen muss, um einen Trainingsimpuls zu setzen. Wie fast überall ist eine vernünftige Balance hier der Schlüssel 😉

Fehlende Motivation

Kann das Pferd die Zirkelarbeit körperlich leisten, scheitert es oft auch an der Motivation des Pferdes.

Frag dich dabei zu allererst:

  • Lobst du genug?
  • Machst du genügend Pausen für die es sich lohnt sich anzustrengen?
  • Ist deinem Pferd klar, was es tun soll?
  • Bringst du eine positive Energie mit ins Training – mit der du dein Pferd anstecken kannst?
  • Und strahlst du genug Energie und Bewegungsfreude aus?
  • Passt dein Timing?
  • Stellst du deinem Pferd eine klare Aufgabe? Oder überschüttest du es mit Signalen?
  • Bringst du auch Abwechslung ins Training – oder ist das Zirkeln für dich eher monoton?

Wenn du irgendeine dieser Fragen verneinen musstest, hast du oft schon den Grund dafür gefunden, dass dein keine Freude am Zirkeln hat – oder recht schnell versucht auszusteigen.

Unser Training lebt nämlich von unendlich vielen Faktoren, die so viel mehr mit der Psyche und dem Lernverhalten des Pferdes zu tun haben, statt „nur“ mit seinem Körper.

Stehst du beispielsweise schlaff und antriebslos in der Mitte, wirst du auf den Energieausbruch deines Pferdes eher vergeblich warten – außer es hinterlässt eine Staubwolke, wenn es davon galoppiert 😉

Dein Pferd spiegelt deine Energie.

Es nimmt sie auf, lässt sich davon anstecken.

Möchtest du also ein energetisches Pferd, darfst du auch dich selbst motivieren, diese Energie mit jeder Faser deines Körpers auszustrahlen.

Versuch dein Pferd mit deiner guten Laune anzustecken und ihm zu zeigen, dass dir das gemeinsame Training Spaß macht – dann hat auch dein Pferd sofort mehr Spaß!

 

Frage dich dann, ob du klare und für dein Pferd verständliche Signale gibst.

Hast du deinem Pferd deine Hilfen schon erklärt? Weiß es, was es mit deiner Körpersprache und vor allem deinen Stimmsignalen anfangen soll?

Eine gemeinsame Sprache müsst ihr erst entwickeln – und das braucht vor allem Zeit und Geduld, sowie Fingerspitzengefühl was das Timing betrifft. Achte immer darauf, nur so viel wie nötig zu machen, aber so wenig wie möglich – und gib deinem Pferd immer die Chance, das nächste Mal auf noch feinere Signale zu reagieren.

Das bedeutet, dass du dein Pferd niemals mit einer Frage überfällst, sondern die Intensität deiner Signale immer langsam steigerst. Denn so kann dein Pferd beim nächsten Mal noch feiner reagieren.

Achte aber darauf, ob dein Pferd auch feiner wird oder ob du am Ende doch immer mehr brauchst. Wenn letzteres zutrifft, steckt zu wenig Energie in deinem Signal. Dann darfst du dein Pferd ruhig auch mal „aufwecken“, damit du es nicht zu jeder weiteren Aufgabe „schieben“ musst.

Hat es dann reagiert, sich bemüht (und sei es zu Beginn nur ein winzig kleines Stück!) dann lobe dein Pferd aus vollem Herzen überschwänglich!

Und Achtung: Dein Pferd spürt, ob du es ernst meinst oder ob du es nur halbherzig lobst.

Apropos Lob: Achte darauf, dass sich das Lob, das du deinem Pferd gibst, für dein Pferd auch wie ein Lob anfühlt!

Denn jedes Pferd hat dabei andere Vorlieben. Wo die Pause für den einen Charakter die ultimative Pause ist, ist das für ein anderes Pferd vielleicht sogar eher eine Strafe. Vielleicht bewegt es sich lieber, freut sich über einen Keks oder eine Streicheleinheit – oder seine Lieblingsübung, die deinem Pferd ganz besonders viel Spaß macht.

Lobst du im falschen Moment oder unterbrichst die Übung (z.B. mit einer Pause), weil dein Pferd einen Fehler gemacht hat, lernt es vielleicht sogar, dass sich die falschen Dinge lohnen – auch wenn das gar nicht deine Absicht war. Dein Timing muss also unbedingt sitzen!

Vielleicht langweilt dein Pferd sich auch, weil du zu lange an einer Übung bleibst, die dein Pferd schon längst verinnerlicht hat? Dann hilft nur Abwechslung schaffen! Andere Pferdetypen profitieren aber von Routinen und immer gleichen Abläufen. Hier liegt es also an dir, dein Pferd richtig einzuschätzen und dich für die passende Strategie zu entscheiden.

Die Arbeit ohne Seil

Es kann auch zu Problemen führen, wenn du das Seil beim Zirkeln zu früh weg lässt. Wenn deinem Pferd die Routine fehlt. Oder du unbewusst im Training immer mal wieder am Seil zupfen musst.

Ich bereite meine Pferde nämlich so lange am Seil vor, dass ich es – auch wenn ich es dran habe! – schon gar nicht mehr brauche. Es ist sozusagen nur meine „Notfall-Option“, wenn sich mein Pferd aus der Übung schummeln möchte, obwohl es meine Signale bereits im Schlaf versteht.

Ich starte deshalb auch nie direkt frei mit meinen Pferden, sondern nehme sie immer ans Seil, um zu schauen, wie sie heute drauf sind.

Kein Tag ist wie der andere. Und Pferde sind einfach keine Maschinen!

Nur wenn es sich gut und richtig anfühlt, lasse ich nach ein paar Minuten das Seil weg.

Sobald ich das Gefühl habe, dass mein Pferd mit seiner Aufmerksamkeit davon driftet, nehme ich das Seil auch wieder zur Hilfe – schließlich sollte mein Pferd im besten Fall gar nicht erst lernen, dass Weglaufen eine Option ist 😉

Hier habe ich noch ein paar Gedankenanstöße zum Thema Spaß beim Longieren.

Ich hoffe, du hattest ein paar gute Erkenntnisse, die dich beim Training mit deinem Pferd unterstützen!

Alles Liebe,
Deine Kenzie

"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG