• Home
  • Blog

So kannst Du Leckerlis als Belohnung in eurem Training gezielt einsetzen

Da mich immer wieder die Frage erreicht, ob wir fürs Pferdetraining – oder speziell die Freiheitsdressur – Leckerlis brauchen, wollte ich dieses Thema heute gern mit dir gemeinsam aufgreifen.

Denn beim Thema „Leckerlis“ scheiden sich oft die Geister! 

Leckerlis – ja oder nein?

Grundsätzlich brauchst du für das Training mit deinem Pferd keine Leckerlis.

Doch Futter motiviert Pferde oft viel stärker als Pausen, Streicheln oder ein Stimmlob – deshalb schließe ich Leckerlis aus meinem Training nicht komplett aus.

Es gibt dabei jedoch einiges zu beachten!

Denn wenn du wie ich viel mit Hengsten arbeitest oder anderen Pferden, die sehr futterorientiert, verfressen oder auch „nur“ dominant sind, können Leckerlis auch schnell zu einem Problem werden.

Sicher kennst auch du Pferde, die einem förmlich in die Taschen kriechen oder gar anfangen zu schnappen, wenn du nicht schnell genug fütterst. Und das wollen wir natürlich nicht!

Dein Tanzbereich ist nämlich immer dein Tanzbereich:

In der Freiheitsdressur, bei der Bodenarbeit oder beim gemeinsamen Spaziergang – egal ob du Kekse in der Tasche hast oder nicht.

Konsequenz ist hier wie immer das Zauberwort! 

Denn so süß es manchmal auch ist, wenn dein Pferd vorsichtig an der Kekstasche gruschelt – ein „Nein“ sollte immer ein „Nein“ bleiben und ein „Ja“ immer ein „Ja“. Das macht dich für dein Pferd berechenbar und gibt ihm Sicherheit.

Denn nichts ist schlimmer für unsere Pferde als ein Mensch, der das Knabbern an der Jackentasche heute süß findet und es dabei kuschelt und es am nächsten Tag dafür bestraft.

Das macht dich und deine Führungskompetenz in den Augen deines Pferdes unglaubwürdig – und es sorgt für Diskussionsstoff zwischen euch, wo eigentlich keiner sein sollte.

Überlege dir also gut, wie deine persönlichen Regeln lauten – und halte sie selbst auch ein

Warum also nicht gar keine Leckerlis füttern?

Wenn du ein Pferd hast, dass deutlich mehr Stress hat, sobald du Leckerlis in der Tasche hast, hat normalerweise kein generelles Problem mit Leckerlis. Du hast ihm wahrscheinlich nur die Regeln noch nicht ausreichend erklärt. 

Oft neigen wir nämlich dazu, Leckerlis schnell nicht mehr dosiert da einzusetzen, wo sie sie Sinn machen – viel zu häufig belohnen wir bald jedes kleine Schrittchen in die richtige Richtung und sind ohne Kekse regelrecht verloren, weil unser Pferd nur noch „gegen Bezahlung“ arbeitet.

Und das wollen wir natürlich nicht.

Schließlich soll unser Pferd im besten Fall durch das Zusammenspiel mit uns aus der Lektion selbst seine Motivation beziehen – und nicht nur aus der Keksdose.

Wir wollen gemeinsam Spaß haben, um des Spaßes willen und nicht nur wegen der Leckerlis.

Trotzdem können Leckerlis eine tolle Bereicherung im Training sein.

Vor allem, wenn sich dein Pferd mit Lektionen schwer tut oder verschiedene Zirkuslektionen wie z.B. das Kompliment oder das Ablegen zuverlässig lernen soll. 

Bei Übungen, die dein Pferd Überwindung kosten, wie die meisten Übungen in die Tiefe (dein Pferd kann aus dieser Position viel schwerer flüchten und muss dir deshalb sehr vertrauen) braucht es einfach einen größeren Anreiz als ein lobendes Wort oder Streicheln.

Für diese Zirkuslektionen empfehle ich deshalb sogar mit Leckerlis zu arbeiten, um schneller schönere Erfolge erzielen zu können – ohne Druck, nur mit positiver „Bestechung“. Doch auch dabei gibt es einige Regeln zu beachten, sodass kein Frust bei dir und deinem Pferd aufkommt. 

Viele Pferde sind nämlich deutlich schneller frustriert, wenn sie das Leckerli sehen, aber keinen Weg finden, dass du es ihnen gibst. Oft können sie sich auch gar nicht mehr auf die Suche nach einer Lösung konzentrieren, weil sie so auf das Leckerli fixiert sind.

Das solltest du, wenn irgendwie möglich, unbedingt verhindern!

Dazu macht es Sinn, dass du deinem Pferd das Leckerli nicht schon vor der Übung zeigst und damit vor seiner Nase herum wedelst – außer es soll dir mit dem Kopf in Richtung Kompliment folgen. Ansonsten solltest du das Leckerli lieber in der Hosentasche lassen und es erst heraus holen, wenn dein Pferd die Übung oder einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und sich das Leckerli damit verdient hat.

Das “Versprechen” auf den Keks

Damit du aber vom Timing her trotzdem den richtigen Moment belohnen kannst (und nicht erst mehrere Sekunden später, wenn du das Leckerli endlich aus deiner Tasche gekramt hast) lohnt es sich, ein sogenanntes Marker-Wort einzuführen, mit dem du dein Pferd im richtigen Moment sofort belohnen kannst und das deinem Pferd sozusagen „verspricht“, dass jetzt gleich der Keks kommt – das verschafft dir nämlich die Zeit, die du brauchst, um in deinen Taschen zu wühlen ? 

Das bekannteste „Marker-Wort“ ist wohl der „Click“ aus dem Clickertraining.

Er hat den Vorteil, dass in diesem mechanischen Klick keine Emotionen mitschwingen – doch wenn du dich beim Loben mit deinem Marker-Wort ehrlich freust, sind diese positiven Emotionen dem Lob eher zu- als abträglich.

Das Marker-Wort ist also dein Versprechen, dass genau DAS in dieser Sekunde jetzt toll war und das Leckerli zur Belohnung sofort folgt.

Achte beim Füttern darauf, dass dir dein Pferd daraufhin nicht trotzdem sofort in die Tasche klettert.

Das Leckerli gibt es nur außerhalb deines Tanzbereich (mit mindestens einer Ellbogenlänge Abstand) und in Ruhe – ganz ohne schnappig oder rüpelig zu werden. Dafür kannst du sogar extra „Höflichkeitstraining“ einbauen, um die Manieren deines Pferdes zu verbessern.

Dazu stellst du dich mit einem Leckerli in der Hand neben dein Pferd. Kriecht es in deine Tasche, zupft an dir herum oder ähnliches, bittest du es wie sonst auch einfach aus deinem Bereich. Je nachdem wie hartnäckig dein Pferd ist, kann es eine Weile dauern, bis es dieses Verhalten unterbricht und zum ersten Mal den Kopf abwendet.

Doch diesen Moment nutzt du!

Du sagst dein Marker-Wort und bietest deinem Pferd das Leckerli auf der flachen Hand mit ausreichend Abstand an. Die meisten Pferde verstehen so sehr schnell, dass betteln nichts nützt und es viel hilfreicher ist, weg zu schauen und den Fokus eher von Leckerli weg zu nehmen – weil es dafür dann das Marker-Wort und das Leckerli gibt.

Mit diesem Training hast du jedenfalls nicht nur die Höflichkeit deines Pferdes trainiert (die meisten Pferde nehmen das Leckerli so mit der Zeit nämlich immer vorsichtiger und unaufdringlicher), du hast gleichzeitig auch noch dein „Marker-Wort“ fest installiert und kannst damit jetzt punktgenau loben.

Achte bitte darauf, dass Marker-Wort aber wirklich nur zum Training mit Leckerlis einzusetzen und dein Versprechen auf das Leckerli nie zu brechen – denn das führt wirklich sehr schnell zu Frust. Wird dein Pferd allerdings unhöflich, darfst du kein Leckerli füttern!

Denn dann würdest du es für das Verhalten ja noch zusätzlich loben. Dein Timing ist dabei also unglaublich wichtig!

Besonderes Lob für besondere Leistungen

Trotzdem soll dein Pferd in Zukunft natürlich nicht jede Übung nur noch im Austausch für ein Leckerli machen. Das Leckerli unterstützt vielmehr die Anfänge einer neuen Lektion, die dein Pferd besonders viel Gehirnschmalz oder körperliche Anstrengung kosten.

Sitzt die Lektion irgendwann gut, musst du nicht mehr für jedes Ausführen ein Leckerli geben – du darfst es deinem Pferd dann nur auch nicht mit dem Marker-Wort versprechen ?

Du schleichst die Leckerli-Gabe also sozusagen wieder aus und belohnst dann nur noch ab und an, wenn eine Übung beispielsweise besonders toll war.

Meine Pferde legen sich deshalb natürlich auch ohne Kekse in völlig fremder Umgebung auf mein Signal hin ab – da ich aber weiß, wie viel Überwindung das das Fluchttier Pferd in der Regel kostet, versuche ich hier trotzdem nach Möglichkeit immer wieder mit einem Leckerli zu belohnen.

Da das bei mir eher selten vorkommt, ist das für meine Pferde eine umso größere Belohnung über die sie sich dann wirklich sehr freuen ? 

Je mehr Dynamik jedoch in einer Übung steckt, desto eher würde ich dir von Leckerlis abraten – auch wenn das natürlich wieder vom Charakter deines Pferdes abhängt.

Ist dein Pferd bespielsweise sehr faul und du möchtest mehr Tempo beim zu dir herkommen, kann es mehr Motivation und Tempo bringen, dein Pferd zu Beginn mehrfach und dann immer mal wieder für eine schnellere Gangart auch mit einem Leckerli zu belohnen.

Bringt dein Pferd jedoch sowieso viel Energie mit und stoppt tendenziell immer eher einen Hauch zu nah an dir dran, solltest du auf gar keinen Fall ein Leckerli für schnelles herkommen füttern – denn dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dir diese Dynamik früher oder später doch mal um die Ohren fliegt.

Ob du Leckerlis gibst oder lieber nicht und in welcher Situation ist also immer eine individuelle Entscheidung, die von dir, deinen Vorlieben, deiner Konsequenz, dem Charakter deines Pferdes und der gewünschten Übung abhängt.

Es kann auf jeden Fall jedes Pferd lernen, höflich zu bleiben, auch wenn Leckerlis im Spiel sind – mit manchen Pferden ist das nur leichter, mit anderen eben etwas schwerer.

Der Schlüssel ist immer dein Timing und deine Konsequenz

Sei aber bitte auch nicht traurig, falls dein Pferd z.B. gesundheitsbedingt keine Leckerlis bekommen darf – denn dein Pferd kann JEDE Übung definitiv auch ohne Leckerlis lernen. Manchmal dauert es dann einfach ein bisschen länger, doch dabei richten wir uns ja sowieso immer nach dem Tempo, das uns unsere Pferde vorgeben! 

Achte bitte nur darauf, dass du dein Pferd im Zweifelsfall nicht überfütterst.

Bevor zu viel Zucker ins Pferd kommt, ziehe ich natürliche Leckerlis wie z.B. Karotten (-scheibchen) jedenfalls immer vor. Dann steht deinem erfolgreichen Training nichts mehr im Weg ?

 

Ich wünsche dir ganz viel Spaß und viele tolle Momente mit deinem Pferd!

Alles Liebe,

Deine Kenzie

"So startest Du erste Führübungen in der Freiarbeit..."

DIE ERSTE FÜHRÜBUNG

GDPR Cookie Consent mit Real Cookie Banner